Samstag vor acht Tagen begegnet mir die Nachbarin, welche unter mir wohnt, als ich vom Einkaufen nach Hause komme. Ich solle mal mit in ihre Küche kommen. Dort tröpfelte es am Fenster langsam von der Decke, nicht stark, aber stetig. Wir wollen das beobachten und ich stelle vorsichtshalber am Samstag mal mein Wasser ab.
Sonntagmorgen, noch nicht mal ganz halb sieben, klingelt der Hausmeister bei uns: das Tröpfeln habe sich zum Rinnsal ausgebreitet, nicht nur die Nachbarin unter mir, sondern auch die Nachbarn im Erdgeschoss klagen über Wasser in der Küche. Der Installateur wird gerufen, bis er erscheint, tropft es bereits außen an der Fassade herunter. Mein Wasser ist immer noch abgestellt und wir sind gemeinsam ratlos. Der Installateur bringt schnell Licht ins Dunkel: es ist vermutlich ein Heizungsrohr in meiner Wohnung. Meine Heizungsleitung wird abgeklemmt, dafür darf ich das Wasser wieder anstellen.
Als mittags mein Besuch zum Essen kommt, ist es noch einigermaßen gemütlich warm - nicht zuletzt, weil ich den ganzen Vormittag gekocht habe. Gegen Abend wird es recht frisch in der Wohnung, mein Kind quartiere ich zu meinen Eltern aus, er hustet noch immer stark.
Montags bekomme ich Nachricht von der Hausverwaltung: man könne ja nicht auf Verdacht den Fußboden öffnen, also würde Dienstag eine Firma erscheinen, die sich auf die Ortung von Lecks spezialisiert hat. Mir ist das recht - wer will schon seinen ganzen Fußboden zerstört haben...
In der Wohnung ist es kalt.
Dienstag um acht Uhr morgens erscheint ein Team aus Installateur, Ortungsspezialist und Gehilfe. Es wird geklopft und gestochert, beratschlagt und diskutiert und schließlich nach langem Hin und Her das Loch geortet. Mitten in meiner Küche, unter einem der beiden Eckschränke. Eine kurze Probebohrung unter dem Geschirrspüler bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen: die Küche muß raus, die (niegelnagelneuen) Terrakotta-Fliesen ebenfalls und - ganz klar - der Estrich, um an die Heizungs-rohre zu gelangen. Mir wird schon ganz schwindelig. Da der Schreiner, der die Küche abbauen soll, Mittwoch keine Zeit hat (zum Glück!), habe ich Gelegenheit bis dahin alle Unterschränke auszuräumen, damit sie aus der Küche entfernt werden können. Dazu muß ich auch meinen Eßplatz im Vorzimmer räumen, denn da sollen die Schränke hin.
Mittwoch bin ich einen großen Teil des Tages damit beschäftigt, die Schränke aus- und die Arbeitsplatte abzuräumen, den Eßtisch samt Stühlen in mein Wohnzimmer zu verfrachten und die ausgelagerten Töpfe, Pfannen und Lebensmittel in Schlafzimmer und Wohnzimmer auszulagern. Die Wohnung wird langsam ziemlich ungemütlich, aber noch trage ich es mit Humor. Ich schlafe und dusche zwar noch zuhause, halte mich aber ansonsten entweder im Büro oder bei meinen Eltern auf.
Es riecht jetzt durchdringend nach nassem Beton und es ist kalt.
Am Donnerstag bin ich traurig wegen meiner Küchenfliesen, die ich so ins Herz geschlossen habe, aber auch zuversichtlich, schließlich soll ja die Feuchtigkeit aus der Wohnung. Pünktlich um neun steht der Schreiner vor der Tür - und ist planmäßig kurz vor elf Uhr fertig. Inzwischen ist es im Eßzimmer brechend eng, da die Küchenunterschränke etwas unkonventionell übereinandergestapelt stehen und nur ein schmaler Zugang zur Küche frei ist. Um elf rückt der Installateur an, repariert mir noch schnell den Absperrhahn für die Waschmaschine, der beim Ausbau der Spüle das Zeitliche segnete (die normalerweise auch mit in der Küche steht), damit ich das Kaltwasser wieder anstellen und somit die Toilette benutzen kann. Noch rechne ich damit, daß der Alptraum bald ein Ende hat.
Drei Stunden später sind die Bodenfliesen entfernt und der Estrich herausgebrochen. Gestaubt hat es kaum, der Estrich war so feucht, daß sich fast kein Staub entwickelte. Als der ganze Schutt aus der Küche entfernt ist, offenbart sich, daß die Ringleitung nicht ein, sondern vier Löcher hat. Und daß kein Strang ins Bad führt, dafür aber eine Leitung ins Kinderzimmer, die ebenfalls ziemlich verrostet ist. Und gerade, als ich mich vom Schock erhole und der Tatsache ins Auge blicken kann, daß ein Stück Boden im Kinderzimmer ebenfalls geöffnet werden muß, eröffnet mir der Installateur, daß er jetzt - also nachmittags um 15 Uhr - weitere Arbeiten einstellt, weil die Leitung, die ins Vorzimmer/Eßbereich führt, so rostig ist, daß er daran keine neue Leitung anschließen kann. Nach einer kurzen Konferenz mit der Hausverwaltung vereinbaren wir für den nächsten Morgen einen Termin mit dem Sachverständigen der Versicherung.
Die Fenster in der Küche bleiben gekippt und es wird noch kälter als die letzten Tage.
Der Sachverständige, der am Freitag die Baustelle besichtigt, gibt sein Einverständnis für die Arbeiten am Kinderzimmer und im Vorraum/Essbereich. Da über Nacht die Küche notdürftig getrocknet ist, aber noch nasse Flecken zu sehen sind, soll eine Bautrocknungsfirma das Ausmaß der Feuchtigkeit in Boden und Wänden feststellen und - so notwenig - Profi-Trockner aufstellen.
So langsam wird mir klar, daß die Wohnung nur noch eingeschränkt bewohnbar ist und die Sache sich wohl noch länger hinziehen wird.
Da im gesamten Eingangsbereich das Laminat entfernt werden muß, habe ich den Raum übers Wochenende komplett auszuräumen, ebenso einen Teil des Kinderzimmers, damit dort ebenfalls der Boden geöffnet werden kann.
Meine Eltern warne ich schon mal vor, daß ich am Wochenende bei ihnen einziehen werde.
To be continued....
Montag, 9. November 2009
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Oje, oje die schöne neue Küche...
AntwortenLöschenDas tut mir unendlich leid, ich würde Dir sofort Asyl anbieten.